Hinter einer erfolgreichen Frau steht...


(Wien, 08.03.2026) – Ja, wer eigentlich? Vor einigen Jahren besuchte ich eine Fortbildung. Der Vortragende, ein gutaussehender Zahnarzt in meinem Alter, sportlich, sympathisch, demonstrierte seine Methode zur Versorgung von Patient:innen. Sehr beeindruckend für eine kleine „Kassenzahnärztin“ wie mich. Voller Enthusiasmus und Tatendrang überlegte ich mir, wie ich das Erlernte vertiefen und es im Ordinationsalltag umsetzen kann. Ich würde den Anschlusskurs buchen und mich noch weiter in die Materie einarbeiten, mir mehr Wissen aneignen. So der Plan. Doch wie sollte ich das alles zeitlich schaffen?

Da war das Buchstabenbuffet für die erste Klasse, das noch ausgerichtet werden musste. Das schmutzige Judogewand lag immer noch im Wäschekorb und zog noch nicht seine Runden in der Waschmaschine. Ach ja, die Eingangstür der Ordination klemmt auch noch und die Wände des Röntgenraums warten ungeduldig auf etwas Farbe. Die Liste war und ist lang…

Wie schafft das also der sympathische und beruflich erfolgreiche Zahnarzt, der auch zwei kleine Kinder hat? Richtig, seine Frau übernimmt die Betreuung der Kinder.  Ein eingespieltes Team mit klassischer Rollenverteilung. Für viele Familien noch immer die gängige Arbeitsaufteilung. Gegen dieses klassische Familienmodell habe ich mich bewusst entschieden. Warum? Weil ich jahrelang studiert habe, um als Zahnärztin tätig zu sein. Ebenso wie viele Kolleginnen. Nun sind wir selbständig, haben einen laufenden Kredit, eine eigene Praxis, Patient:innen, Angestellte und „nebenbei“ Kinder, für die wir Verantwortung tragen. Tagtäglich versuchen wir all diese Bälle in der Luft zu jonglieren und hoffen, dass wir keinen fallen lassen.

Wie bekommt man also Kinder, den Beruf und nicht zuletzt die eigenen persönlichen Interessen unter einen Hut? Das ist die Frage, die uns Zahnärztinnen Tag für Tag beschäftigt. Sicher ist, man braucht einen straff organisierten Tagesplan, einen Partner, der einen unterstützt, und ein (soziales) Netz, das einen auffängt, wenn mal nicht alles nach Plan läuft. Und solche Situationen gibt es zur Genüge.

Was wir brauchen, sind starke Nerven und ja, eine gewisse Gelassenheit. An beiden arbeite ich noch… Letzten Endes müssen wir uns eingestehen, dass auch unser Tag nur 24 Stunden hat und es einfach nicht möglich ist, alles Geplante zu erledigen. Wir müssen lernen, Prioritäten zu setzen, nicht alles selbst zu erledigen und die Kontrolle durchaus auch mal abzugeben. Wir können nicht überall perfekt sein und wir brauchen bisweilen Hilfe. Sei es von der Raumpflegerin, der Kinderbetreuung oder der Vertretung in der Ordination. Denn: Hinter jeder erfolgreichen Frau stehen viele Menschen, die ihr tagtäglich helfen.

Wir als Landeszahnärztekammer unterstützen ebenfalls: Rufen Sie uns an, kommen Sie in unsere Sprechstunde, lassen Sie uns wissen, wie wir Sie unterstützen können.

In diesem Sinne: Als Zahnärztinnen, Mütter und Großmütter schaffen wir vieles, aber mit Unterstützung schaffen wir alles! Ich wünsche allen Kolleginnen einen schönen Weltfrauentag 2026!

Ihre Noémi-Katalin Marković 
Referentin für Gender, Soziales und Jungzahnärzt:innen